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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktive Sterbehilfe


Necrophagia
10.07.2010, 04:08
Quasi parallel zu C4rp3Di3ms Thread dachte ich mir ich erstelle einfach mal nen Thread zum Thema Euthanasie bzw. Sterbehilfe. Denn wie ich so gelesen habe, haben die meisten von euch ja doch mehr Angst vor der Art des Todes als vom Tod selber.
Die Vorstellung monatelang bzw. sogar jahrelang im komatösen Zustand an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen zu werden, ohne Aussicht je wieder ein normales Leben führen zu können, ist für mich äußerst schockierend.
Ich persönlich bin deswegen dafür, dass aktive Sterbehilfe in Deutschland endlich legalisiert werden sollte.

Schreibt mir eure Meinungen zu diesem kontroversen Thema^^

New_era_elegy
10.07.2010, 08:11
Peter Singer, ein australischer Philosoph der Neuzeit, sagt dazu, dass wir nur das Recht auf Leben haben, wenn wir uns unseres Lebendigseins bewusst sind. Ich bin daher der Ansicht dass derjenige, der wirklich sterben möchte, es auch tun darf, sofern er niemand anderen hineinzieht (wie Henke). Wer aber nicht weiß oder wahnimmt, dass er lebendig ist und keine Gefühlsregungen kennt, der kann "abgeschaltet werden" wenn es Verwandte wünschen. Der seit Jahrzehnten in der Philosophie und Ethik diskutierte Umstand ist nicht die Sterbehilfe, sondern wer festlegt, ob jemand weiterleben soll oder kann.

"Die Vorstellung monatelang bzw. sogar jahrelang im komatösen Zustand an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen zu werden, ohne Aussicht je wieder ein normales Leben führen zu können, ist für mich äußerst schockierend. "

Das ist die Kunst der modernen Medizin: Wir erhalten Menschen länger am Leben als sie eigentlich sollten. Wir schleifen sie weiter, nehmen sie mit, lassen sie keinen Frieden finden. Altenheime sind eine der großen Assozialitäten unserer Zeit. Menschen, die qua natura längst tot sein sollten, müssen weiterleben - erschreckend? Frage man sich, wie man sich fühlt, wenn man 75 Jahre alt ist und nach und nach Maschinen brauch um zu leben. Nach und nach Kompromisse eingehen weil man vor Ungewissenheit Angst hat. Niemand hat Angst vor dem Sterben, aber viele haben Angst vor dem Nichtsein, vor dem Aufhören zu existieren. Sterben.... das dauert Sekunden. Wenn alles aufhört, wie sich das anfühlt weiß niemand, denn nie kehrt jemand zurück.

TheSeek3R
10.07.2010, 15:14
aktive Sterbehilfe, weiß ich nicht was ich davon halten soll...

auf jeden Fall will ich, wenn mein Körper nicht mehr von sich aus seine funktionen erhalten kann, wie schon beschrieben, einfach dahinscheiden und eben nicht jene komatösen Zustände durchmachen, die ich viel zu oft gesehen habe...

muri
20.07.2010, 11:49
Seh ich ähnlich. Aktive sterbehilfe ist sehr schwierig einzuschätzen. Dazu gleich mehr.

Passive Sterbehilfe bin ich ein Befürworter. Wenn ein Organismus nicht mehr in der Lage ist, dauerhaft von selbst zu überleben, würde ich ihn schon für nicht mehr Lebendig erklären. Auch wenn es mein eigener Körper ist oder der einer mir nahestehenden Person. So hart es für mich wäre, ich könnte mich noch weniger damit abfinden, nur noch am Leben zu sein, weil eine Maschine das Leben für mich übernimmt. Ich wäre dann kein Mensch mehr.
Eine ausnahme: Wenn ich damit wissenschaftlichen Zwecken dienen würde, weil sie an mir im praktisch toten Zustand Experimente durchführen würden. Das könnte ich jetzt etwas verfeinern, würde aber etwas OT werden.

Bei Aktiver Sterbehilfe würde ich erst verlangen, dass mehrere unabhängige und neutrale Parteien einstimmig behaupten, dass keine Psychische besserung abzusehen ist und der Mensch bis zu seinem endgültigen Tod nur unter Qualen leiden würde. Bei jedem Fünkchen Hoffnung auf eine Besserung des psychischen Zustands (z.B. abfinden mit der Situation wie sie ist) würde ich fordern, den Menschen weiter leben zu lassen.

dekadenZ
20.07.2010, 12:57
ohja, wirklich schwieriges thema. ich hab mir vor einer weile mal ein paar aussagen moderner philosophen und gesellschaftsforscher zugeführt und kann denen im wesentlichen folgen:


jeder hat das recht auf einen selbst gewählten freitod. "selbst gewählt" bedeutet, dass es keinen äußeren druck dazu gibt, er also nicht alleinig zum wohl eines anderen geschieht, und dass der wählende im vollen besitz seiner geistigen fähigkeiten ist. personen im (dauerhaften) delirium fallen deshalb auch raus (siehe 3.).
jmd der nicht in der lage ist, seinen selbst gewählten freitod zu akzeptablen bedingungen (schmerzfrei, würdevoll) umzusetzen, darf man auf dessen bitte bei der umsetzung helfen, wenn vorher die voraussetzungen aus 1. geklärt sind. der um hilfe gebetene darf die hilfe verweigern, wenn er die sterbehilfe nicht mit seinem gewissen vereinbaren kann.
für personen, die nicht in der lage sind, ihren (freien) willen auszudrücken (komapatienten, fortgeschritten demente, geistig behinderte, kinder usw.) oder um sterbehilfe zu bitten, kann eine frühere glaubhafte willenserklärung der person hinzugenommen werden. in ermangelung kann auch ein vormund die entscheidung über eine sterbehilfe vornehmen, falls die person keine oder eine äußerst geringe aussicht auf ein würdevolles leben hat. der vormund kann z. b. ein naher angehöriger oder ein von der person zuvor bestimmter vertrauter sein. falls kein vormund verfügbar ist, könnte ein dafür ausgebildeter unparteiischer die entscheidung treffen (die vorraussetzungen für ausbildung und unparteilichkeit sind absichtlich offen gelassen). punkt 2 gilt unverändert.

vorthaxX
23.07.2010, 12:37
1. ja, sollte man legalisieren
2. schreibt doch nich immer so viel
n kurzes, knackiges statement is doch um einiges wirkungsvoller

the_fulk
23.07.2010, 13:11
Wizo hat hierzu nen Lied gebaut, was meiner meinung recht nah kommt

HCNEfaDF334

Ich sehe es auch so das man einen Menschen nicht künstlich am leben erhalten sollte. Ich selber möchte nicht in die Situation kommen und würde für mich jetzt sagen das ich nicht mehr weiter "leben" will , wenns eh nur noch an maschinen hängt.

Wie es aber in ein paar jahren aussieht, gesetz dem fall ich gründe eine eigene familie mit kinder und enkelkinder usw, weiß ich nicht ob sich meine meinung vllt ändert.

Psyman2
23.07.2010, 14:16
1. ja, sollte man legalisieren
2. schreibt doch nich immer so viel
n kurzes, knackiges statement is doch um einiges wirkungsvoller
Kommt aufs Thema an, hier auf keinen Fall.
Stell dir 50 comments vor, einfach nur n Wechsel von "ja" und "nein".
Jop, geile Diskussion

muri
27.07.2010, 12:01
Richtig, das hier soll eine Diskussion sein. Dazu gehört es, eine Meinung auch zu begründen und zu sehen, welche Hintergründe die Meinung anderer hat um evtl. auch seinen eigenen Horizont zu erweitern.

In einer Umfrage wäre es angebracht, kurze Antworten zu genen (Nein, Ja) Aber das ist hier nicht der fall...

vorthaxX
27.07.2010, 13:45
ich sprach auch nicht von "ja" oder "nein"
sondern von kurzen und knackigen antworten..
d.h. "ja, weil blablabla"
und nicht "zu aller erst möchte ich euch erzählen wie mein leben von meiner geburt bis heute verlaufen ist:..."
aber okay, nvm

DamiKondi
29.07.2010, 18:59
bin dafür, jeder sollte über sein leben selber entscheiden , und wenn ich keine zukunft mehr auf gesegnung habe , und nur noch lebe weil der kabel in der steckdose ist, dann will ich lieber sterben .

muri
03.08.2010, 21:57
Ich bekomme gerade in unmittelbarer Verwandschaft so ne Geschichte mit von wegen Patientenverfügung.

Das find ich auch interessant. Da wird im Prinzip VOR eintritt des Ernstfalls schon detailiert geklärt, was in welchem Falle passieren soll. (Angefangen von "Magensonde Ja/Nein", oder "Lebensverkürzende, aber erleichternde Maßnahmen Ja/Nein" bis "Ohne Aussicht auf Besserung Maschinen abschalten")

So kann über Passive Sterbehilfe schon vorher so eine Art Vorentscheidung getroffen werden, die dann ein anderer Ausführen soll, wenn der Patient nicht mehr zurechnungsfähig ist.
Auch wenn es einem recht unwichtig für sich erscheint: Der Ernstfall kann immer eintreten, auch wenn er noch so unwarscheinlich ist, und DANN keine Patiantenverfügung zu haben kann sehr unpraktisch sein, da dann die Ärzte alles tun müssen, um einen am Leben zu erhalten.

Eine bekannte hatte dadurch eine Magensonde gelegt bekommen und bis zu ihrem Tod noch Nahrung darüber bekommen, obwohl der Körper diese schon lange garnicht mehr aufgenommen hat.

Ein anderer Bekannter hatte viele Monate unter schmerzen an Maschinen gehangen, weil die Ärzte kein Morphium verabreichern wollten (durften) weil es Lebensverkürzend gewesen ist. Die Maschinen mussten natürlich auch anbleiben.

Und hierbei ging es nicht um einen 80 Jährigen Mann sondern um einen 23 Jährigen, der einfach nur das Pech hatte, zur falschen Zeit mit dem Fahrrad ordnungsgemäß über eine Kreuzung zu fahren.

Solche Fälle lassen einen wirklich darüber nachdenken, ob man sich nicht vielleicht auch so eine Patientenverfügung anschaffen sollte.

Nicht zuletzt, wegen des eigenen Willen, ein Leben ohne noch zu irgendetwas fähig zu sein, beenden zu wollen.